AMSTERDAM (ISIS) – Bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zeichnet sich ein weiterer Fortschritt ab. Ein Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung des Wirkstoffs Daraxonrasib ausgesprochen. Das Medikament richtet sich an Erwachsene mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs, deren Erkrankung sich trotz einer vorherigen Behandlung weiterentwickelt hat. Die endgültige Entscheidung über eine Zulassung in der Europäischen Union trifft die Europäische Kommission.
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den besonders schwer behandelbaren Krebsarten. Die Erkrankung wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und die Prognose ist oft ungünstig.
Wirkstoff greift in Wachstumssignale ein
Daraxonrasib, das in den USA unter dem Namen Rasonque zugelassen ist, gehört zu einer neuen Klasse zielgerichteter Krebsmedikamente. Der Wirkstoff hemmt sogenannte RAS-Proteine, die bei vielen Tumoren das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen antreiben.
Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sind Veränderungen im RAS-Signalweg besonders häufig. Der Wirkstoff soll diese Wachstumssignale unterbrechen und dadurch das Fortschreiten der Erkrankung bremsen. Anders als klassische Chemotherapien wird das Medikament als Tablette einmal täglich eingenommen.
Studien zeigen längeres Überleben
In einer klinischen Studie mit rund 500 Menschen mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs, deren Erkrankung nach einer vorherigen Behandlung weiter fortgeschritten war, lag das mediane Gesamtüberleben unter Daraxonrasib bei etwa 13,2 Monaten. In der Vergleichsgruppe, die eine weitere Chemotherapie erhielt, waren es etwa 6,7 Monate.
Das mediane Gesamtüberleben bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem die Hälfte der Studienteilnehmer noch lebt und die andere Hälfte bereits verstorben ist. Die Ergebnisse deuten auf einen klinisch relevanten Nutzen für die untersuchte Patientengruppe hin. Sie bedeuten jedoch nicht, dass jeder Patient durch das Medikament entsprechend länger lebt oder dass die Erkrankung geheilt werden kann.
Keine Heilung, aber eine zusätzliche Behandlungsoption
Die neuen Ergebnisse wecken Hoffnungen, weil wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs bislang begrenzt sind. Zugleich bleiben Fragen zu Langzeitwirkungen, möglichen Nebenwirkungen und zum Nutzen in anderen Krankheitsstadien relevant.
Die Zulassung in den USA erfolgte bereits im August 2026. In Europa steht die endgültige Entscheidung noch aus. Sollte die Europäische Kommission die Zulassung erteilen, hängt der tatsächliche Zugang für Patienten unter anderem von den geltenden Versorgungs- und Erstattungsregelungen ab.
Einordnung: Daraxonrasib könnte die Therapie für eine bestimmte Gruppe von Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs erweitern. Der Wirkstoff ist jedoch keine Heilung für die Erkrankung und ersetzt nicht automatisch alle bisherigen Behandlungen.
