LYON (ISIS) – Bei einer internationalen Polizeiaktion gegen die Herstellung und Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs sind 95 Verdächtige festgenommen worden. An den Ermittlungen unter Koordination von Interpol waren Sicherheitsbehörden aus 17 Ländern in Lateinamerika und Europa beteiligt. Zwischen März und September 2026 vollstreckten die Ermittler insgesamt 127 Durchsuchungsbeschlüsse.
Die vier miteinander verbundenen Operationen richteten sich gegen unterschiedliche Formen der Verbreitung und kommerziellen Nutzung illegaler Inhalte über Messenger-Dienste und Kryptowährungen. Nach Angaben von Interpol nutzen Täter digitale Plattformen zunehmend, um Minderjährige anzusprechen, Straftaten zu koordinieren und mit Missbrauchsmaterial Geld zu verdienen.
Fünfjähriges Kind in Kolumbien gerettet
In Kolumbien brachten die Behörden ein fünfjähriges Kind in Sicherheit und nahmen einen Elternteil fest. Dieser soll Aufnahmen des Kindes hergestellt und über das Internet verkauft haben.
Eine Interpol-Datenbank zur Identifizierung von Opfern sexueller Ausbeutung half den Ermittlern, mehrere Dateien demselben Kind zuzuordnen. Nach Angaben der Organisation reichten einige der Aufnahmen bis in die Zeit zurück, als das Kind erst ein Jahr alt war.
Tausende Dateien sichergestellt
Auch in anderen Ländern wurden umfangreiche Ermittlungen geführt. In Ecuador fanden Ermittler auf elektronischen Geräten mehr als 4.000 Dateien mit Missbrauchsdarstellungen von Kindern. Das Datenvolumen belief sich auf rund 15 Gigabyte.
In Panama wurde der mutmaßliche Administrator einer Chatgruppe festgenommen, über die entsprechendes Material verbreitet worden sein soll. Die Gruppe hatte nach Angaben der Behörden mehr als 700 Nutzer.
In Argentinien nahmen Ermittler einen Verdächtigen fest, der Kontakt zu mehr als 260 Mädchen aus verschiedenen Ländern gehabt haben soll. Ihm wird sexuelle Erpressung Minderjähriger vorgeworfen. Der Mann soll zunehmend explizitere Aufnahmen verlangt und den Betroffenen bei einer Weigerung gedroht haben.
Ermittlungen könnten ausgeweitet werden
Nach Angaben von Interpol könnten die bei den Einsätzen sichergestellten Daten weitere Verdächtige und gefährdete Kinder identifizierbar machen. Zusätzliche Ermittlungen und Schutzmaßnahmen seien daher möglich.
Die Organisation betonte die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und privaten Technologieunternehmen. Digitale Plattformen und grenzüberschreitende Zahlungswege erschwerten es, Täter und Verbreitungsnetzwerke ausschließlich innerhalb nationaler Grenzen zu verfolgen.
