FRANKFURT/MAIN (ISIS) – Die italienische Großbank UniCredit hat von der Europäischen Zentralbank (EZB) die Genehmigung erhalten, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Damit fällt eine wichtige aufsichtsrechtliche Hürde für die geplante Übernahme des Frankfurter Geldhauses. Der vollständige Abschluss der Transaktion steht allerdings noch aus.
Wie UniCredit am Donnerstag mitteilte, erlaubt die Entscheidung der EZB, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent zu überschreiten und den Anteil weiter ohne eine festgelegte Obergrenze zu erhöhen. Die Bank erwartet, nach Abschluss der noch ausstehenden Verfahren und Bedingungen bis zum Jahresende rund 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank zu halten.
Übernahmepläne stoßen auf Widerstand
UniCredit baut ihre Beteiligung an der Commerzbank seit mehr als zwei Jahren aus. Mit einem Übernahmeangebot im Volumen von rund 45 Milliarden Euro erhöhte das italienische Institut seinen Anteil nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters auf etwa 48 Prozent.
Die Pläne stoßen sowohl bei der Commerzbank als auch bei der Bundesregierung auf Widerstand. Der Bund hält selbst rund 13 Prozent der Anteile und setzt sich dafür ein, dass der Hauptsitz der Bank in Frankfurt am Main bleibt, Arbeitsplätze geschützt werden und die Finanzierung deutscher Unternehmen, insbesondere des Mittelstands, gesichert bleibt.
Strategie und mögliche Fusion noch offen
UniCredit-Chef Andrea Orcel will die Ertragskraft der Commerzbank steigern. Eine vollständige Verschmelzung beider Institute soll nach den bisherigen Planungen jedoch erst für die Jahre 2029 oder 2030 in Betracht kommen.
Orcel hat zudem signalisiert, Einfluss auf die Führung der Commerzbank nehmen zu wollen. Dazu könnte auch eine Veränderung des Aufsichtsrats und des Vorstands gehören. Wie sich die Eigentümerstruktur und die Unternehmensführung nach Abschluss der weiteren Verfahren konkret entwickeln, bleibt abzuwarten.
Weitere Genehmigungen stehen aus
Die Zustimmung der EZB bedeutet nicht, dass sämtliche regulatorischen Voraussetzungen bereits erfüllt sind. Weitere Verfahren und Bedingungen im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot müssen noch abgeschlossen werden. Auch die wettbewerbsrechtliche Prüfung auf EU-Ebene läuft nach bisherigen Angaben weiter.
Mit der Entscheidung der EZB ist UniCredit ihrem Ziel, die Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen, einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Die künftige Ausrichtung des deutschen Instituts und mögliche Folgen für Beschäftigte und Kunden dürften damit weiter im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen.
