KIEW/MOSKAU (ISIS), 15. Oktober 2026 – Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieanlagen nach einer kurzen Unterbrechung wieder aufgenommen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Einschränkung solcher Attacken sei aufgehoben. Hintergrund ist ein von US-Präsident Donald Trump angekündigter Energie-Waffenstillstand, dessen Umsetzung zwischen Moskau und Kiew umstritten ist.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag, die Ukraine habe eine groß angelegte Drohnenattacke auf eine Ölraffinerie in Rjasan versucht. Durch herabfallende Drohnentrümmer sei auf dem Gelände ein Feuer ausgebrochen. Unabhängig überprüfen ließen sich die russischen Angaben zunächst nicht.
Widersprüchliche Angaben zu Angriffen
Bereits am Mittwoch hatte der russische Vizepremier Alexander Nowak erklärt, ukrainische Drohnen hätten die Raffinerien in Rjasan und Saratow angegriffen. Die ukrainische Seite wies diese Darstellung zurück. Ein Berater Selenskyjs erklärte, die ukrainischen Streitkräfte hätten keine Ölraffinerien angegriffen. Nach Angaben regionaler russischer Behörden wurden zunächst keine Schäden an den beiden Anlagen gemeldet.
Die unterschiedlichen Darstellungen zeigen, wie schwierig es ist, einzelne Angriffe im laufenden Krieg unabhängig zu verifizieren. Angaben der Kriegsparteien zu Zielen, Schäden und militärischen Erfolgen lassen sich häufig erst mit zeitlichem Abstand überprüfen.
Streit um Energie-Waffenstillstand
Trump hatte am Wochenende erklärt, zwischen Russland und der Ukraine solle eine Vereinbarung zur Einstellung von Angriffen auf Energieanlagen gelten. Die konkrete Ausgestaltung und der Umfang einer solchen Vereinbarung blieben jedoch umstritten.
Selenskyj erklärte, die Ukraine habe zunächst Zurückhaltung geübt, während Russland weiterhin ukrainische Energie- und Infrastrukturziele angegriffen habe. Nach ukrainischen Angaben wurden unter anderem Anlagen in und um Kiew sowie in Charkiw attackiert. Moskau wiederum bestreitet beziehungsweise interpretiert einzelne Vorwürfe anders.
Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien zielen darauf ab, die Treibstoffproduktion und damit eine wichtige Einnahmequelle Russlands zu beeinträchtigen. Zugleich können Schäden an Raffinerien die Versorgung mit Benzin und Diesel beeinflussen. Die tatsächlichen Folgen hängen davon ab, welche Anlagenteile getroffen werden und wie schnell Reparaturen möglich sind.
Energieanlagen bleiben strategische Ziele
Russland und die Ukraine greifen seit Beginn des Krieges wiederholt Energie- und Industrieanlagen an. Kiew begründet seine Angriffe auf russische Öl-Infrastruktur mit dem Ziel, Moskaus Kriegswirtschaft zu schwächen. Russland attackiert seinerseits wiederholt ukrainische Energieanlagen und kritische Infrastruktur.
Ob der von Washington angestoßene Versuch einer begrenzten Waffenruhe Bestand haben kann, bleibt offen. Die jüngsten widersprüchlichen Meldungen und die erneuten Angriffe verdeutlichen, dass bislang keine verlässlich bestätigte gegenseitige Einstellung der Angriffe auf Energieziele erreicht wurde.
