WASHINGTON (ISIS) – Sie ist rund sechs Meter lang, wiegt etwa 13,6 Tonnen und zählt zu den leistungsfähigsten konventionellen bunkerbrechenden Waffen der Vereinigten Staaten: Die GBU-57 Massive Ordnance Penetrator (MOP) wurde für Angriffe auf besonders stark geschützte und tief unter der Erdoberfläche liegende Ziele entwickelt.
Anders als herkömmliche Fliegerbomben soll die präzisionsgelenkte Waffe zunächst in den Untergrund eindringen und erst anschließend detonieren. Ihr Einsatzgebiet umfasst unter anderem militärische Bunker, unterirdische Kommandozentralen und besonders geschützte Anlagen.
Für den Einsatz gegen tief liegende Anlagen entwickelt
Die GBU-57 wird satellitengestützt ins Ziel gelenkt. Ihre hohe Masse und die verstärkte Bombenhülle ermöglichen es ihr, Erdschichten, Gestein und gehärtete Betonstrukturen zu durchdringen. Die tatsächliche Eindringtiefe hängt dabei unter anderem vom Material, der Beschaffenheit des Untergrunds und den Bedingungen beim Aufschlag ab.
Als Trägerflugzeug dient der Tarnkappenbomber B-2 Spirit. Aufgrund der Abmessungen und des Gewichts der Waffe kann sie nicht von gewöhnlichen Kampfflugzeugen eingesetzt werden. Damit ist ihr Einsatz an eine begrenzte Zahl spezialisierter US-Flugzeuge gebunden.
Erster Kampfeinsatz im Iran
Internationale Aufmerksamkeit erlangte die GBU-57 beim US-Angriff auf iranische Nuklearstandorte am 22. Juni 2025. Im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“ griffen US-Streitkräfte unter anderem die unterirdische Urananreicherungsanlage Fordo sowie Standorte in Natans und Isfahan an.
Nach Angaben des US-Militärs kamen insgesamt 14 GBU-57 zum Einsatz. Die meisten wurden gegen Fordo eingesetzt, dessen zentrale Anlagen tief im Gestein liegen. Der Angriff markierte den ersten bestätigten Kampfeinsatz der Waffe.
Die US-Regierung erklärte anschließend, die Angriffe hätten schwere Schäden an den Nuklearanlagen verursacht. Die genaue Wirkung auf sämtliche unterirdischen Strukturen und den langfristigen Zustand des iranischen Atomprogramms ließ sich damit jedoch nicht automatisch abschließend beurteilen.
Keine Garantie für die vollständige Zerstörung
Trotz ihrer enormen Durchschlagskraft ist die GBU-57 keine universell wirksame Waffe gegen sämtliche unterirdischen Anlagen. Ihre Wirkung hängt von der Bauweise des Ziels, der Tiefe und Verteilung der einzelnen Räume sowie den Schutzmaßnahmen ab.
Große Anlagen können aus voneinander getrennten Bereichen, Tunneln und abgeschotteten Kammern bestehen. Selbst schwere Treffer müssen deshalb nicht zwangsläufig den gesamten Komplex zerstören. Auch belastbare Aussagen über verbliebene Fähigkeiten eines angegriffenen Nuklearprogramms erfordern zusätzliche Informationen und eine unabhängige Bewertung der Schäden.
Die GBU-57 ist damit ein spezialisiertes Instrument gegen besonders geschützte Ziele – aber kein Beleg dafür, dass sich jedes tief unter der Erde liegende Objekt zuverlässig ausschalten lässt.
USA wollen Bestände wieder auffüllen
Nach dem Einsatz im Juni 2025 leitete das US-Verteidigungsministerium Schritte zur Beschaffung weiterer GBU-57 ein. Im Februar 2026 wurde über eine entsprechende Ausschreibung berichtet, mit der die durch den Einsatz beanspruchten Bestände wieder aufgefüllt werden sollen.
Die Beschaffung unterstreicht die strategische Bedeutung der Waffe für die US-Streitkräfte. Zugleich bleiben ihre Einsatzmöglichkeiten durch die geringe Zahl geeigneter Trägerflugzeuge und die aufwendige Herstellung einer derart spezialisierten Munition begrenzt.
Einordnung: Die GBU-57 verschafft den USA eine besondere Fähigkeit, tief verbunkerte Ziele aus der Luft anzugreifen. Ob ein konkreter Angriff die angestrebten militärischen Ziele tatsächlich erreicht, lässt sich jedoch nicht allein aus der eingesetzten Waffe oder der Stärke der Explosion ableiten.
